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KRD-Prozess, Tag 1 · Teil 1: Der König bittet zur Audienz

ca. 5 Min. Lesezeit

Unsere geliebte Mitarbeiterin Helvetia war beim Auftakt des Prozesses gegen Peter Fitzek und drei Mitangeklagte im Saal. Hier ist der erste Teil ihres Berichts vom 1. Verhandlungstag.

Zur Verhandlung

Gericht Oberlandesgericht Düsseldorf, Staatsschutzsenat

Sitzung Prozesstag 1 · Freitag, 6. November 2026

Angeklagte Peter Fitzek, Martin S., Benjamin M., Matthias B.

VorwurfRädelsführerschaft in einer kriminellen Vereinigung („Königreich Deutschland“), Urkundenfälschung, zudem unerlaubte Bank- und Versicherungsgeschäfte sowie Steuerhinterziehung

Hinweis Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Der Vorhang hebt sich#

Liebe Freunde der gepflegten Reichsdeppenunterhaltung!

Endlich ist es so weit, die grossen Prozessfestspiele stehen vor der Tür. Einmal noch, oder (nach der Zahl der derzeit geplanten Termine) zweiundfünfzigmal noch, hebt sich der Vorhang und gibt die Bühne frei für den zwar keineswegs grössten, keineswegs intelligentesten und schon gar nicht erfolgreichsten, aber – gestehen wir ihm zumindest das zu – für den unterhaltsamsten Monarchen, der heutzutage im Schein unseres lieben Wappengestirns wandelt. Wobei sein Wandeln und Handeln ja derzeit massiv eingeschränkt ist und man vor das Wort „Monarch“ in seinem Falle schon immer ein „Möchtegern-“ setzen musste.

Zusammen mit dem durchschnittlich intelligenten Königsdarsteller stehen ab heute auch drei seiner Gefolgsleute vor dem Kadi: Da sind zum einen die beiden „Demen“ oder „Freiherren“ Martin S. und Benjamin M., und dann ist da dieser Matthias B., über den ich eigentlich kaum mehr weiss als den Namen. Zugegeben, ich weiss über die gesamte KRD-Thematik fast noch weniger, als Fitzek Vietnamesisch kann, habe ich mich doch bisher hauptsächlich mit dem südlichen Deppentum beschäftigt. Ja, wenn ich irgendeine Ecke des KRD bis jetzt kennengelernt habe, dann war es dessen Schweizer Anhänger- und Sympathisantenschaft.

Manchmal frage ich mich, was der Joel vom Leuchten-Turm heute eigentlich macht. Das Geld, das er in die Gemeinwohlkasse eingezahlt hat, ist dann wohl auch flöten. Fast hoffe ich, ihn unter den Zuschauern des heutigen Prozesses anzutreffen und zu fragen, wie er das Ganze heute sieht.

Am falschen Tor#

Apropos Leuchten-Turm! Als ich, brav der Wegbeschreibung von Google Maps folgend, beim Prozessgebäude des OLG Düsseldorf eintreffe – ein ähnlich festungsartiger und hässlicher Bau wie die Halle für den Reuss-Prozess in Frankfurt –, finde ich mich zunächst vor einem grossen Tor wieder, das eine Einfahrt versperrt. Drohend verkündet ein Schild, diese metallene Wand auf Rollen werde sich hinter jedem Fahrzeug sofort wieder schliessen (und gerade wird dies durch eine hineinfahrende Polizeiwanne demonstriert – ist es gar die königliche Kutsche?).

Ich ahne schon, dass ich hier nicht vor dem richtigen Eingang stehe, und halte etwas ratlos nach einem anderen Tor Ausschau, da tauchen plötzlich drei Männer auf. Einer tritt an die Gegensprechanlage und sagt in gut gelauntem Ton:

Guten Morgen, wir sind hier, um die Zeitschrift Leucht-Turm zu verkaufen!

Ein Besucher an der Gegensprechanlage

Die Ansage löst allgemeine Heiterkeit aus, auch bei mir. Anscheinend amüsieren sich hier auch die Bediensteten königlich über die skurrile Welt der Pudel. Ob ich diese drei Personen später im Gebäude in irgendeiner Funktion wiedergesehen habe, kann ich nicht sagen, denn dafür ist mein visuelles Personengedächtnis viel zu schlecht. Aber netterweise erklären sie mir vor dem Hineingehen noch, dass ich den Besuchereingang auf der anderen Seite des Gebäudes finde. Na, dann.

Warten, Kontrolle, Warten#

Ich treffe auf einen Pulk von vielleicht 20 Journalisten, die schon beim Einlass warten, und reihe mich in die Schlange ein. Bis die Tür geöffnet wird, verstreicht geraume Zeit. Zwischendurch erscheint ein Mann, der sich als Fitzeks Pflichtverteidiger zu erkennen gibt – es ist RA Vetter, wie ich später erfahre – und gibt bekannt, dass der Bezopfte gern unverpixelt und mit vollem Namen in den Medien erscheinen würde. Wer hätte das gedacht!

Bald danach werden die Wartenden endlich eingelassen. Flughafenähnliche Kontrolle.

Für künftige Prozessbeobachter: Schreibzeug darf mit in den Saal. Handys und Ähnliches, je nach Laune der Justizbeamten auch ganze Taschen, muss man abgeben. Dafür gibt es ein Zettelchen mit einer Nummer, gegen das man die Sachen beim Ausgang zurückbekommt.

Im Innern geht die Warterei weiter. Ich lasse meinen Blick durch den Raum schweifen und glaube neben knapp zwei Dutzend Medienschaffenden etwa halb so viele mutmassliche KRD-Sympathisanten auszumachen. Von diesen kenne ich aber niemanden, insbesondere die Flotte glänzt durch Abwesenheit. Ebenso Joel, die Leuchte vom Schweizer Leucht-Turm. Ein trauriges Häufchen. Dem Ego des Horstsohnes wird dieses untermittelmässige Interesse an seiner heutigen Show so gar nicht schmeicheln.

Der Zopfkönig bittet zur Audienz#

Irgendwann wird die Presse für einen „O-Ton“ seitens des Gerichts in einen anderen Raum eingeladen. Auch die Tür des Gerichtssaales wird zunächst nur für die Journalisten geöffnet: Der Zopfkönig bittet zur Audienz. Fitzek und Fototermin, das kann dauern. Also weiter warten. Die von den Medien verbreiteten Bilder mit Fitzeks Müllsack müssen zu diesem Zeitpunkt entstanden sein, ich habe diese Szene selbst nicht gesehen.

Als mein Rücken vom langen Stehen schon zu schmerzen beginnt (was gar nicht nötig gewesen wäre, denn es gibt im Vorraum auch Sitzgelegenheiten), dürfen endlich, endlich auch die gewöhnlichen Zuschauer in den Saal. 160 Plätze soll der Publikumsbereich haben; er ist mit einer Scheibe vom Bereich der Prozessbeteiligten getrennt. Vermutlich Panzerglas – wir sind in einem Hochsicherheitsgebäude für Staatsschutzverfahren.

Aus Zuschauersicht sitzen rechts die Vertreter der Anklage in weinroten Roben, in der Mitte der Richtersenat und links die Angeklagten und ihre Anwälte. Hinter diesen sind noch mehrere Stuhlreihen, in die sich etliche Justizbeamte setzen. Muss hier wohl so.

Da es im Zuschauerbereich für die wenigen Anwesenden Platz in Hülle und Fülle gibt, belege ich frech einen mit „Presse“ beschrifteten Platz, der über eine herunterklappbare Schreibunterlage verfügt. Im Verhandlungsbereich stehen derweil immer noch einige Journalisten und Kameraleute, und als ich mich bequem hingesetzt habe, sehe ich erst richtig hin, und mein Blick fällt – auf einen Zopf.


Fortsetzung folgt: In Teil 2 wird die Anklage verlesen.

Quellen

IM AUSTAUSCH

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Ein Kommentar

  1. […] Der zweite Teil von helvetias Bericht vom 1. Verhandlungstag. Teil 1 verpasst? Hier geht es zur Audienz. […]

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